Karin Spiegl

Was passiert im Körper beim Orgasmus?

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„Dopamin und Oxytocin sind Hauptverantwortlich für das Hormonfeuerwerk im Köper während unseres Höhepunktes“

Was passiert wenn wir Kommen?

Du möchtest deinem Körper mal wieder etwas Gutes tun, hast aber gerade keine Lust auf Sport oder Wellness? Ich hätte da eine Idee: Wie wäre es mit einem Orgasmus? Jap, richtig gelesen: Orgasmen  machen uns nicht nur glücklich, sondern sind auch nachweislich gut für unser Immunsystem. 

Eigentlich seltsam, dass der Höhepunkt im Französischen auch als La petite mort, „der kleine Tod“, bezeichnet wird, denn gerade beim Orgasmus läuft unser Körper auf Hochtouren: Wenn sich die Lust entlädt, beginnen die Muskeln im Beckenboden zu kontrahieren, Atemfrequenz und Puls erhöhen sich, die Pupillen weiten sich und die Organe werden stärker mit Sauerstoff versorgt. Richtig spannend wird es jedoch, wenn wir einen Blick auf die Vorgänge in unserem Gehirn werfen: Wenn wir kommen, geht es dort nämlich so richtig ab. 

Orgiastischer Hormoncocktail: Das passiert in unserem Gehirn, wenn wir kommen.

Um herauszufinden, was in menschlichen Gehirnen vor sich geht, wenn wir zum Höhepunkt kommen, messen Forscher*innen die Neuronenaktivität und den Blutfluss. Möglich wird dies mittels PET-Scans oder funktioneller Magnetresonanztomographie. Klingt kompliziert? Ist es auch. Umso faszinierender sind jedoch die Ergebnisse dieser Messverfahren: 

Während dem Höhepunkt schüttet unser Gehirn ein wahres Feuerwerk an Neurotransmittern und Hormonen aus. Die wichtigsten beiden kennst du wahrscheinlich schon:

Dopamin: Das so genannte „Glückshormon“ ist ein wichtiger Botenstoff des zentralen Nervensystems. Es wird nicht nur während sexueller Erregung, sondern auch in vielen anderen Situationen ausgeschüttet, die uns glücklich machen – zum Beispiel Sport, Shopping oder Naschen. Übrigens: Der Orgasmus wird oft als rauschhafter Zustand beschrieben – zurecht, denn auch der Konsum von Drogen wie Kokain stimuliert das Dopamin-System im Körper auf dieselbe Weise. 

Oxytocin: Auch wenn es auf den ersten Blick verdächtig nach Klischee klingen mag: Es ist kein Zufall, wenn wir nach dem Sex besonders gerne kuscheln ist – verantwortlich dafür zeigt sich das im vorderen Teil des Hypothalamus produzierte Oxytocin, das gleichzeitig Hormon und Neurotransmitter ist. Es ist auch als „Kuschelhormon“ bekannt, da es das Gefühl von Liebe und Bindung fördert. Wie Dopamin wird Oxytocin keineswegs nur beim Sex, sondern auch bei menschlicher Nähe, innigen Umarmungen und sogar beim Streicheln von Tieren ausgeschüttet. Bei stillenden Müttern hat Oxytocin übrigens die wichtige Funktion, die Bindung zwischen Mama und Neugeborenem zu festigen. 

Während unser Körper bei den oben beschriebenen Szenarien Oxytocin langsam und in geringen Mengen ausschüttet, schnellt der Oxytocin-Spiegel bei einem Orgasmus quasi raketenartig in die Höhe. 

Was sich im Moment unglaublich gut anfühlt, kann manchmal jedoch auch mit gewissen Tücken verbunden sein. Folgende Situation hat wahrscheinlich jede von uns schon mal erlebt: Du lernst jemanden kennen, findest ihn ganz nett, aber irgendwie ist er nicht ganz dein Typ. Dennoch landest du mit ihm im Bett und stellst wider Erwarten fest: Der Sex war der absolute Wahnsinn! Wie auf Wolke Sieben schwebst du nachhause, nur um festzustellen, dass dir dieser Typ plötzlich nicht mehr aus dem Kopf geht. Was zum Teufel ist hier passiert? 

Voll verknallt – oder einfach nur voll auf Oxytocin?

Tja meine Liebe, mit ziemlicher Sicherheit wurdest du Opfer des oben beschriebenen Hormon-Feuerwerks in deinem Gehirn. 

Wie die Biologin Dawn Maslar in ihrem TED-Talk zum Thema How your brain falls in love beschreibt, sind Oxytocin und Dopamin wesentlich daran beteiligt, dass wir uns in jemanden verlieben. Fantastischer Sex kann also tatsächlich dazu führen, dass wir (außer Orgasmen) plötzlich mehr von unsere*r Bettgefährt*in wollen… Oder uns das zumindest hormonbedingt einbilden. 

Männlicher vs. weiblicher Orgasmus: Gibt es Unterschiede? 

Oh ja, die gibt es, und zwar so einige: Während der männliche Höhepunkt im Schnitt nach wenigen Sekunden vorbei ist, kann der weibliche Orgasmus weit über eine Minute andauern.

Und: Ist er gekommen, ist erst mal Sendepause. Während dieser so genannten Refraktärphase kann Mann nicht noch mal kommen. Wie lange diese Erholungsphase andauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig – eine wesentliche Rolle dürfte aber auf jeden Fall das Alter spielen. Die berühmte männliche postkoitale Müdigkeit ist übrigens auf den rapiden Abfall von Adrenalin und Noradrenalin nach dem Sex zurückzuführen. 

Play it again, Sam: Multiple Orgasmen bei Frauen

Ganz anders sieht es bei uns Frauen aus: Zwar sind wir nach einem Orgasmus auch entspannt, von Schicht im Schacht kann jedoch keine Rede sein: Immerhin sind wir zu multiplen Orgasmen* fähig, die entweder unmittelbar aufeinander oder mit unterschiedlich langen Pausen dazwischen stattfinden können. 

*Wie immer gilt: Nur weil etwas theoretisch möglich ist, heißt das nicht, dass das für alle Frauen gilt. Mehr zum Thema Orgasmusarten erfährst du in meinem Artikel 101 Orgasmusarten: Was ist dran an Coregasm & Co.?

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