„Squirting ist keine Auszeichnung, sondern ein wunderbares Phänomen, das hin und wieder auftritt oder eben nicht.“

Mythen & Faktencheck

Wasser marsch! Frauen, die abspritzen, erhitzen die Gemüter. Von Porno-Fakes bis Pipi-Panik: In diesem Beitrag sehen wir uns an, was es mit dem leidenschaftlich diskutierten Thema Squirting auf sich hat und zerlegen einige hartnäckige Mythen. 

Was versteht man unter Squirting?

Squirting (von engl. „squirt“ = spritzen) bezeichnet bei Frauen das unwillkürliche Absondern von Flüssigkeit während der sexuellen Stimulation. Je nach Studie squirten etwa 10 bis 54 % der Frauen mehr oder weniger regelmäßig beim Sex mit einem*einer Partner*in oder während des Masturbierens. 

Faktencheck Squirting: Richtig oder falsch?

Spannend: Obwohl bereits Hippokrates und das Kamasutra von „weiblichem Sperma“ {sic!} berichteten, hat die Wissenschaft auch gut 2.000 Jahre später immer noch keinen Konsens dazu gefunden. Handelt es sich beim Squirting um weibliche Ejakulation oder einfach Pipi? Kann man Squirting lernen? Und sind Squirt-Orgasmen am Ende tatsächlich das Nonplusultra? Höchste Zeit für einen Faktencheck! 

1. Handelt es sich beim Squirting um die weibliche Ejakulation?

Nein. Am hartnäckigsten hält sich weit verbreitete These, dass es sich bei Squirting um die weibliche Ejakulation handle. Dem ist jedoch nicht so, wie ein Artikel im Journal of Sexual Medicine belegt: Während das weibliche Ejakulat ein weißlich bis durchsichtiges Sekret darstellt und aus der Skene-Drüse (das ist übrigens die weibliche Prostata) abgesondert wird, weißt die beim Squirting ausgestoßene Flüssigkeit eine andere Zusammensetzung auf (siehe Punkt 2). Squirting kann außerdem zeitversetzt während oder bereits vor einem Orgasmus passieren. Squirting ist daher nicht mit der weiblichen Ejakulation gleichzusetzen, auch wenn beide Begriffe überraschend oft synonym verwendet werden. 

2. Bedeutet Squirting, dass wir uns beim Sex anpinkeln?

Nein. Die ausgestoßene Flüssigkeit besteht laut einer Untersuchung des französischen Urologen Samuel Salama zwar tatsächlich zu einem wesentlichen Teil aus Urin, weißt aber auch Bestandteile des aus der Skene-Drüse stammenden Sekrets auf. Wir halten also fest: Während das weibliche Ejakulat ausschließlich aus der weiblichen Prostata stammt, ist die beim Squirting produzierte Flüssigkeit sozusagen ein Mix. 

In Großbritannien scheint sich das jedoch noch nicht herumgesprochen zu haben, denn 2014 wurden Squirting-Szenen aus britischen Pornos verbannt. Warum? Weil „Urinieren“ als obszöner Akt gilt und das Abspritzen beim Squirting die Zensoren offensichtlich zu stark an Pipimachen erinnert. Ebenso verboten wurden übrigens Szenen, in denen Würgen, Facesitting und Fisting vorkommt. 

3. Kann jede Frau squirten?

Jein. Auch wenn der weibliche Körper theoretisch dazu in der Lage ist, heißt das noch lange nicht, dass jede Frau irgendwann in ihrem Leben abspritzen wird – oder muss. In einer Untersuchung, in der 309 Frauen befragt wurden, gab etwa ein Drittel an, Squirting zumindest bereits einmal erlebt zu haben. Spannend: 42 Prozent der „Squirterinnen“ hatten ihre Squirting Experience beim Sex mit Frauen und nur 28 Prozent beim Sex mit Männern. Das scheint die These zu untermauern, dass Squirting durch intensive Stimulation der G-Zone begünstigt wird – wofür sich die reine Penetration nun mal nur bedingt eignet (sorry Guys!). 

Zum Weiterlesen: 101 Orgasmusarten: Was ist dran an Coregasm & Co.?

4. Wird Squirting in Pornos realistisch dargestellt? 

Hell no! Ok, wirklich überraschen sollte uns in Sachen Porno eigentlich gar nichts mehr. Für alle die sich schon mal gefragt haben, wie zur Hölle diese schwallartigen Ergüsse in Pornos zustande kommen: Durch Wasser – oder Pipi (in diesem Fall pur). Mit Squirting hat diese Show ebenso viel zu tun wie Mainstream-Porno mit echtem Sex. Man denke in diesem Zusammenhang an die ganzen Anal Queens, die aufwändige und teils schmerzhafte Vorbereitungen treffen, um überhaupt in der Lage zu sein, derart intensive Analsex-Szenen drehen zu können. Wer solche Szenen für bare Münze nimmt und sich selbst abverlangt, beim Sex pornoreife Szenen hinzulegen, kann zwangsläufig nur enttäuscht werden. 

Zum Weiterlesen: PorNo oder PorYes – eine heiße Debatte!

5. Squirt-Orgasmen sind das Nonplusultra? Jein!

Ganz ehrlich: Wer kann das schon mit Sicherheit behaupten? Tatsächlich berichten viele Frauen im Zusammenhang mit Squirting von besonders intensiven Orgasmen. Da jedoch nur verhältnismäßig wenige Frauen überhaupt zum Squirten kommen (oder beim Kommen squirten), wäre es doch irgendwie vermessen, daraus den heiligen Gral der Höhepunkte zu machen, oder? Unser Plädoyer lautet in diesem Zusammenhang ganz klar: 

 

Weniger Leistungsdruck beim Sex, please!

Du liebst es, mit deinem Körper zu experimentieren und probierst immer wieder gerne mal was Neues aus? Wunderbar, dann schnapp dir zum Beispiel das Buch Female Ejaculation & The G-Spot by Deborah Sundahl und gönn dir! Du bist mit deinem(Solo-)Sexleben eigentlich ganz zufrieden und kannst den ganzen Hype überhaupt nicht nachvollziehen? Ebenso fein und völlig in Ordnung. Das letzte, was wir Frauen heute benötigen, ist noch mehr Leistungsdruck beim Sex. Squirting sollte weder als Auszeichnung oder Erfolg gewertet werden, sondern vielmehr als wunderbares Phänomen, das hin und wieder auftritt – und hin und wieder eben nicht. 

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