ROTMARIE

Sex in der deutschen Sprache

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„Unsere Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln. Worte und Metaphern entscheiden maßgeblich darüber ob wir etwas als positiv oder negativ empfinden„

Lasst uns doch mal überlegen…

… was eine der schönsten Tätigkeiten für einen feinen Tag sein könnte. Essen vielleicht? Wandern? Faulenzen? Fernsehen?

Nein, jetzt hab ichs – ffffffff… Fix nochmal, jetzt fällt mir kein richtiges Wort dafür ein, also kein schönes, mein ich. Gibt’s doch nicht. Na gut, dann sag ich´s mal: Ficken. Hm, bumsen ist auch nicht viel schöner. Vögeln oder pudern vielleicht.

Mir fällt noch immer kein schnuckeliges Wort ein. Helft mir doch! Nein? Nichts?

Die Damen und Herren, Lauscher auf: es gibt in der deutschen Sprache kein Wort, das den Liebesakt als Tätigkeit beschreibt, außer Vulgärausdrücke und damit Sense, Schluss, aus, mehr hat unsere Sprache nicht zu bieten. Wer jetzt einwendet, da wäre noch das hübsche „kopulieren“, will nicht wirklich ernstgenommen werden, oder? Stellt euch doch mal die Aufforderung vor: Lass uns kopulieren, Liebste. Nein, das gilt echt nicht!

Komm Schatz gehen wir ins Bett!

Alles was wir also über die immer schlüpfrig anmutenden Ausdrücke hinaus verwenden, sind Umschreibungen. Wir gehen miteinander ins Bett, wie nett. Mit den Kindern geh ich auch jeden Tag ins Bett. Mit Freundinnen hab ich das auch schon gemacht, ohne gleich mit jeder zu ficken. Und mit Freunden, naja, lassen wir das…

Wir schlafen miteinander, schnarch und wir lieben einander, das ist zwar spannender, trifft den Punkt aber doch nicht immer und schon gar nicht die Tätigkeit. Wann immer es im Deutschen an die Sexualität kommt, fehlen die Worte, sofern frau keine Medizinerin ist und selbst die hat nach Feierabend hoffentlich auch keinen Bock mehr auf den klinischen Sprachkram.

No name for the game…

Erinnern wir uns daran: Es handelt sich hier um ein tief in der menschlichen Natur verwurzeltes Handeln, das arterhaltend ist, aber nicht benannt werden kann. Jahrtausende kirchlicher Herrschaft sitzen uns sündig in den Knochen, brrr. Da wird’s doch Zeit uns mal kräftig zu schütteln und mit der Heimlichtuerei aufzuhören. Ja, wenns so einfach nur wäre, sagt ihr jetzt. Natürlich wirken die hundert über hundert über hundert Jahre an Tabus und Sprachlosigkeit in uns nach.

Ohne eingehende Beschäftigung mit unseren Körpern wird es also nicht gehen. Und prompt stehen wir – nona – vor dem nächsten Problem. Lasst uns doch mal mit möglichst liebevollen Worten unsere zur Sexualität gehörigen Körperteile benennen.

Tschüss Ritter! Scheiden tut weh – oder doch nicht? 

Da möchte ich schon zuallererst von irgendeinem der verfickten geharnischten Ritter wissen, was hier ein Schlitz zu suchen hat, in den er was reinstecken kann. Soll er sein Schwert getrost in der Scheide lassen, meinen – ich zitiere den Duden – „schlauchartigen Teil der weiblichen Geschlechtsorgane“ braucht er nicht besuchen. Diesen und nur diesen Teil unserer Geschlechtsorgane bezeichnet nämlich das Wort „Scheide“. Mir kommt fast vor, da fehlt was. Umso mehr zum Heulen, dass dieser Begriff bis heute oft der einzige ist, der kleinen Menschen für weibliches Untenrum mitgegeben wird.

Da stehn wir glatt gesamtgesellschaftlich auf dem Schlauch. Neben der Vagina (veraltet Scheide) nämlich, die als Geburtskanal super relevant ist, in sexueller Hinsicht aber nicht wirklich, weil sie ja – dem Himmel sei´s gedankt – kaum Nervenenden besitzt, gibt’s noch einiges andere. Da hätten wir die wunderbare Vulva, nein das ist nicht das gleiche wie Vagina! Vulva bezeichnet den gesamten äußeren, sichtbaren Teil der weiblichen Geschlechtsorgane: Venushügel, Perle = sichtbarer Teil der Klitoris, große und kleine Vulvalippen, Harnröhrenausgang, Vaginaleingang.

Oma, mit Scham hat das nix zu tun! 

Uiuiui, nun haben wir ein paar Begriffe, die die Omi, und leider nicht nur die, noch anders nennen würde: Schamhügel, Schamlippen. Schäm dich, da greift man nicht hin. Hoppla, das war jetzt wieder zu weit in der Vergangenheit. Das stimmt doch bitte, ja? Da gibt’s in echt nix zu schämen. All das ist dafür da, dass wir lustvoll leben und Leben schenken können.

Und apropos Lust, ganz wesentlich dafür ist – we proudly present – die Klitoris. Die ist mehr als nur ein winziger Kitzler und verkleinerter Penis. Das gesamte Organ ist je nach Frau ein zwischen 6 und 9 Zentimeter langer Schwellkörper mit zwei Schenkeln bis tief ins Becken. Das wissen aber eh alle, gell! Die Klitoris dient einzig und allein der Lust und hat mit 8000 Nervenenden auch doppelt so viele wie die männliche Eichel. Wie cool!

Was uns also von klein auf sprachlich so vorgesagt wurde, reicht von klinisch und medizinisch bis abwertend und verniedlichend, Grüße an Muschi und Fotze. 

Finde wir neue Worte!

Das Problem an sprachlichen Tabus ist leider, dass sie tief reichen und auch mit inneren Glaubenssätzen zu tun haben. Schmutzig, unrein, verboten – auch wenn es uns angesichts scheinbar allgegenwärtiger Sexualität absurd erscheint – haftet der Geschlechtlichkeit, vor allem der weiblichen, immer noch an. Das kann blockieren und wirkt sich unweigerlich auf unser Verhalten aus.

Liebevoll auf unsere Körper zu schauen, ist ein erster Schritt und unsere jeweils eigene Sprache zu enttabuisieren steht uns frei. Wir können schöne Worte aus anderen Sprachen übernehmen oder welche erfinden. Vulvina ist eine schnuckelige Neukreation die das weibliche innen und außen auch auf gut Deutsch zusammenbringen will.

Und wenn wir unsere Yoni (Sanskrit für Vulva, Vagina und! Uterus –> Artikel!) betrachten, werden wir feststellen, dass sie auch nur ein Körperteil ist, wie unser Arm oder ein Bein, gleichzeitig aber auch so viel mehr. Und das muss kein Widerspruch sein!

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