Doris Müllner 

Make Love
with Tantra!

couple naked holding each other

„Spirituelle Atemtechnik oder wilde Sexparties. Was steckt wirklich dahinter.“ 

Slow Sex: Make Love with Tantra

Du sehnst dich nach langsamem, intimem und sinnlichem Sex – alleine oder zu zweit? Dann bist du hier richtig, denn wir erklären dir, wie Tantra deine (sexuellen) Energien wieder ins Schwingen bringt. 

couple holding each other naked

Jahrtausende alte Weisheit 

Wenn die meisten an Tantra denken, dann kommen spirituelle Atempraktiken und vielleicht auch wilde Sexparties in den Kopf. Wie so oft steckt auch bei diesen Vorurteilen ein bisschen Wahrheit dahinter, aber trotzdem gibt es nur einen kleinen Teil der tantrischen Philosophie wieder. Denn die indische Weisheit Tantra ist über fünf Jahrtausenden alt. Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Tantra „Gewebe“ oder „Zusammenhang“. Es geht also um das Ganze, um die Verbindung von Universum mit Bewusstsein und Energie. Diese werden in der indischen Philosophie von den Gottheiten Shiva und Shakti verkörpert. Sie repräsentieren die Dualität von Männlich und Weiblich – die aber in allen Menschen vorhanden sind, egal, welchem Geschlecht sie sich zuschreiben. 

Ebenso wie Yoga auf eine körperliche Praxis reduziert wird, so steht Tantra für die meisten im Zusammenhang mit etwas Sexuellem. Doch die Lehre des Tantra ist mehr als nur eine besondere Art von Sex. Tantra lehrt durch Selbsterkenntnis und -Erfahrung das Entdecken von Körper, Gedanken und Gefühlen. Es hilft uns dabei, unsere verborgenen Potenziale freizusetzen und daraus neue Sexualität und Lebenskraft zu schöpfen. Dieser spirituelle Prozess kann aber auch schmerzhaft oder unangenehm sein. Ähnlich wie bei anderen Methoden der Selbstfindung tragen wir während des Prozesses Schicht für Schicht unseres Schutzpanzers ab, den wir uns über die Jahre aufgebaut haben. Was dahinter liegt, wissen nur wir selbst. 

Wissenswertes

Arten von Tantra

Auch wenn der Prozess nicht immer einfach ist, hat er trotzdem etwas Befreiendes. So kann Tantra dir zum Beispiel dabei helfen, emotionale oder sexuelle Blockaden zu lösen. Das kann sich auf dein Sexleben auswirken, aber auch auf alles darüber hinaus. Wenn du tiefer in die Welt des Tantras eintauchen möchtest, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit in Kontakt zu treten.

Ebenso wie beim Yoga gibt es auch verschiedene Arten von Tantra. Man unterscheidet zwischen schwarzem, weißem und rotem Tantra.

Schwarzes Tantra steht für Rituale einer Art schwarzen Magie und ist eher negativ konnotiert.

Weißes Tantra wird oft im Kundalini Yoga angewandt. Ebenso wie beim Yoga dient es der Reinigung und Verbindung mit der göttlichen Kraft. Rotes Tantra steht für sexuelle Energien. Verschiedene Übungen, die das sinnliche und sexuelle Verlangen erhöhen können, leiten Teilnehmende auf einen Weg der anderen Bewusstseinserfahrung.

Mit rotem Tantra, mit dem wir uns hier vor allem beschäftigen, können wir unsere eigene Lust erforschen und alles, was damit in Verbindung steht.

old Indian statue

Auch wenn der Prozess nicht immer einfach ist, hat er trotzdem etwas Befreiendes. So kann Tantra dir zum Beispiel dabei helfen, emotionale oder sexuelle Blockaden zu lösen. Das kann sich auf dein Sexleben auswirken, aber auch auf alles darüber hinaus. Wenn du tiefer in die Welt des Tantras eintauchen möchtest, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit in Kontakt zu treten. 

Tantrische Massage

Bei der tantrischen Massage wird der ganze Körper berührt. Alle Beteiligten sind dabei nackt. Sanfte Berührungen treffen hier auf Öl, Federn und weichen Tüchern. Sie steht aber nicht im direkten Ursprung der tantrischen Philosophie, sondern ist eher eine Art Neo-Tantra. Bei der Massage wird kein Körperteil ausgelassen. Das steht in dem tantrischen Gedanken, dass Sexualität eine allgegenwärtige, essenzielle Lebenskraft des Menschen ist und auch in den Alltag integriert werden sollte. Das haben wir den frühzeitlichen, matriarchalen Strukturen zu verdanken, die Lebens- und Schöpfungskraft feierten. Was hat das Patriachat nochmal für uns getan? 

Tantra-Massagen sind eine gute Möglichkeit, Menschen das tantrische Gedankengut zu vermitteln, ohne spirituelle Vorträge zu halten. Hier ist es wichtig, zu einer Person zu gehen, die auch über ausreichend Ausbildung und Erfahrung verfügt. Wer einen Schritt weiter gehen möchte, probiert tantrische Intimmassagen. Die Lingam-Massage widmet sich dem Penis, während die Yoni-Massage die Vulva verwöhnt. Diese können durchaus über eine Stunde andauern. Es kann dabei zum Orgasmus kommen, muss es aber nicht. Vielmehr stehen Hingabe gegenüber den Empfindungen und der eigenen Sinnlichkeit im Vordergrund. Das kann man auch mit dem Partner oder der Partnerin ausprobieren. 

women with tattoo lying on the stomach gets massage

Tantrische (Atem-)Übung

Du kannst dich jetzt schon mal mit Tantra anfreunden: mit einer ganz einfachen Übung. Finde dafür einen ruhigen und sicheren Ort, an dem du ungestört bist – vielleicht dein Schlafzimmer. Lege dich hin und schließe die Augen. Verbinde dich mit deinem Atem – merke, wie er in deinen Körper fließt und wieder geht. Dann legen eine Hand auf dein Herz und die andere zwischen deine Beine auf deine Kleidung und atme weiter. Bleibe hier solange, wie es sich gut anfühlt. Du kannst jederzeit abbrechen, denn du hast die Kontrolle darüber. Wenn du möchtest, kannst du mit der Einatmung deine Beckenmuskulatur anspannen und sie mit der Ausatmung wieder loslassen. 

Wenn du irgendwann Lust verspüren solltest, kannst du anschließend die Hände auf eine Wanderung schicken. Vielleicht beginnt die Hand zwischen deinen Beinen, dich zu streicheln. Versuche, das Tempo weiterhin langsam zu halten, damit wir uns immer mehr von dem westlichen Gedanken lösen können, dass Sex schnell und orgasmisch sein muss. Vielleicht kommst du bei der Übung, vielleicht war sie aber auch einfach nur schön. Das kannst du auch gemeinsam mit einem Partner oder einer Partnerin ausprobieren, denn gemeinsames Atmen schafft Verbindung. Legt euch gegenseitig die Hände auf den Herzraum und versucht, für mindestens zwei Minuten synchron zu atmen. 

Eine andere Position Yab-Yum, der Sitz der Verschmelzung. Setzt euch dafür frontal Körper an Körper – eine Person in dem Schoß der anderen, die Arme und Beine um deren Körper geschlungen. Hier könnt ihr euch in die Augen schauen, streicheln oder einfach nur die Körper spüren.

Tantrischer Sex

Jetzt aber mal zu dem Thema, warum wir eigentlich hier sind. Was ist tantrischer Sex? Wenn ein Quickie das Äquivalent zu Fast Food ist, dann ist Sex mit Tantra Slow Food. Es geht um langsame Körperwahrnehmung, die andere Person zu spüren und sich dem hinzugeben, was gerade gespürt wird. Diese Herangehensweise soll dazu führen, dass der Sex nicht nur länger und besser wird, sondern auch die orgasmische Erfahrung intensiver wird. 

Durch tantrische Praktiken wie Atmung, Meditation, Massagen oder Körpererfahrungen lernen wir uns und unsere Bedürfnisse besser kennen. Wir lernen, mehr im Moment zu sein und auch zu verstehen, ob wir das, was wir gerade tun und erfahren, auch wirklich gutheißen. Wir haben bestimmt alle schon mal erlebt, dass wir zwar körperlich, aber nicht ganz mental bei der Sache waren. Das will Tantra ändern, in dem es uns Achtsamkeit und Präsenz lehrt. Und Sexualität, wie auch immer diese aussehen mag, als einen normalen Bestandteil unseren Alltag anerkennt. Gerade Frauen* kann es schwerfallen, sich beim Sex gehen zu lassen oder auch im Einklang mit ihrer Sexualität zu leben, wurde diese doch Jahrhundertelang als schamhaft angesehen oder einfach nicht anerkannt.  

Der Weg ist das Ziel. Das sagt auch die tantrische Philosophie. Denn bei tantrischem Sex steht der Orgasmus nicht im Mittelpunkt. Er kann vorkommen, vielleicht bleibt er aber aus. Das kann für viele den Druck rausnehmen. Vielmehr stehen Vorspiel und körperliche Entdeckungsreisen an der Tagesordnung. 

How to – tantrischer Sex

Tantrischer Sex beginnt meist mit Augenkontakt und Bewusstmachens des Atems (siehe Übung). Lasst euch Zeit und genießt das langsame Tempo. Verdunkelt zuerst das Zimmer und stellt alle Störungen wie Handys aus. Kerzen können hingegen sanfte Lichtquellen darstellen. Gemäß der tantrischen Philosophie solltet ihr euch nochmal locker machen, damit die Energie wieder ins Fließen kommt, also gerne kurz durchschütteln oder zusammen tanzen. Da das Bett Müdigkeit triggern kann, macht es euch doch mal mit der Decke auf dem Boden gemütlich. So habt ihr auch etwas mehr Platz und Spielraum. 

Berührt euch nun an verschiedenen Körperstellen, mit wechselnder Intensität, von weich bis fest. So werden die Sinne erregt, ohne dass die Erfahrung gleich wieder vorbei ist. Doch all das braucht Zeit, Geduld und Übung. Also seid nicht frustriert, wenn es nach 10 Minuten vorbei ist. Wir müssen lernen umzudenken und Sex im tantrischen Sinne als Energieaustausch zu verstehen, der uns dabei hilft, unser unerschöpfliches Potenzial zu entfalten. Und das passiert nicht von heute auf morgen.  

Wie überall gibt es im Tantra und in anderen Formen von sexuellem Kontakt schwarze Schafe. Solltest du dich dazu entscheiden, eine tantrische Erfahrung zu genießen, dann kann dich niemand zu irgendetwas zwingen. Die meisten Leitenden sind aber sehr sensibel und nehmen außerordentliche Rücksicht auf ihre Teilnehmenden. Wenn du dich noch nicht in einen Tantra-Workshop traust, kannst du auch mal On-Demand-Kurse besuchen, um dich mit der Materie vertraut zu machen. Vielleicht wird das der Beginn einer wunderbaren Reise. 

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