Maria Hanny 

Interview

Entzück Dich Selbst Gründerin
Sanja Zündorf

 

„Ich habe 2019 angefangen mich wissenschaftlich mit weiblicher Masturbation zu beschäftigen, weil ich mich in meiner Jugend so stark dafür geschämt habe, dass ich mich selbst befriedigt habe.“

Die Zeichen stehen auf Masturbations – Revolution, Ladies!

Selbstliebe in ihrer natürlichsten und heißesten Form!

Wann hast du zum ersten Mal die Freiheit der Selbstliebe gespürt? Für viele Frauen beginnt diese Reise der sexuellen Selbstentdeckung bereits in jungen Jahren.

„Uns an Stofftieren, Decken oder Sofakanten zu reiben, ist eine ganz natürliche Art und Weise, die Empfindungen in und mit unserer Vulva in jungen Jahren zu erkunden“, sagt Sanja Zündorf, Gründerin vom Masturbations-Sattel für Frauen „Come Around“. Sie hat dieses oft tabuisierte Thema in ihrer wissenschaftlichen Masterarbeit beleuchtet.

700 Frauen wurden zum Thema Masturbation befragt, unter anderem auch: „Wann haben Sie das erste Mal masturbiert?“ Mehr als die Hälfte (55%) gab an, die ersten Selbstliebeexperimente unter 12 Jahren erlebt zu haben. In diesem Alter gibt es noch kein klares Bild von Sexualität; wir folgen hier einem Gefühl: „Ah, das fühlt sich besonders gut an.“

Wer von euch kann sich an dieses Gefühl noch erinnern?

Mit dem „Come Around“ Sattel hat Sanja eine revolutionäre Möglichkeit geschafft, die eigene Sexualität selbstbewusst und ohne Hemmungen zu erleben. Große Namen wie Amorelie und Femtasy sind bereits „aufgesattelt“ und unterstützen die neuen Masturbationstoys und ihre Marke „Entzück Dich selbst“. Der Sattel basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist darauf ausgelegt, Frauen zu ermutigen, ihre natürlichen Empfindungen zu erkunden und ihre Sexualität neu zu definieren.

In ihrer Masterarbeit, die sie im Fach Integrated Design schrieb, ging es vor allem auch um den Einfluss patriarchaler Strukturen auf die weibliche Masturbation. Sanjas Forschung ermutigt uns, weibliche Masturbation neu zu denken. Das „Come Around“ Pillow wurde entwickelt, um unsere natürliche Sexualität ohne Scham zu erkunden und zu genießen.

In diesem Interview tauchen wir tief in Sanjas Forschung ein, entdecken die Hintergründe ihrer Masterarbeit und erfahren, wie der „Come Around“ Sattel die Art und Weise, wie wir über weibliche Masturbation denken, verändern kann. Bereit, die Revolution der Selbstliebe zu entdecken? Lass dich inspirieren.

Ok wir sind super aufgeregt, dein Produkt ist mega spannend - welche persönlichen Beweggründe waren ausschlaggebend für die Produktentwicklung?

Sanja:

Ich freue mich auch sehr über unser Gespräch! 

Ich habe 2019 angefangen mich wissenschaftlich mit weiblicher Masturbation zu beschäftigen, weil ich mich in meiner Jugend so stark dafür geschämt habe, dass ich mich selbst befriedigt habe. Es gab in meinem Umfeld einach kein Gespräch darüber, weder in der Familie, noch in der Schule oder im Fernsehen. Ich glaube es hätte mir damals so gut getan, wenn jemand einfach mal offen darürber aufgeklärt hätte, und wie man so schön sagt: Sei die Heldin, die du als Kind gebraucht hättest. Ich habe mich also mit dem Spachtabu und der Stigmatisierung von weiblicher Masturbation beschäftigt, da entstand dann mein Name “entzück dich selbst”, der es leichter machen soll, über das Thema zu sprechen. Später habe ich mich dann in meiner Masterarbeit mit dem Einfluss patriarchaler Strukutren auf weibliche Masturbation mit Toys beschäftigt und im Rahmen dieser Arbeit eine Umfrage durchgeführt, in der mir Frauen und Vulvatragende errzählten, wie sie sich selbst entzücken. Lustigerweise hatte ich vor der Auswertung dieser Umfrage noch nie vom Kissen reiten gehört und es auch noch nie bewusst gemacht. Das hat sich dann natürlich geändert! Während in der Umfrage viele Alltagsgegenstände genant wurden, die als Toys benutzt wurden, waren Kissen mit auffällig viel Scham verbunden, vermutlich weil so viele Kinder ihre ersten schönen Erlebnisse dieser Art mit Kuscheltieren und Kissen haben, und wir als Erwachsene so denken, diese Praxis sei kindisch. Ich habe die Produkte dann entwickelt, um gezielt die Tabuisiereung dieser Praxis zu bekämpfen.

"Female MASTURBATION is a FEMINIST act"

Hast du eine  kurze Anleitung für First Userinnen ?

Sanja: Mein Toy ist wie jedes Toy: Es macht es besser, aber es geht immer auch ohne! Für Personen, die noch nie Kissen geritten sind, würde ich daher empfehlen es erstmal “roh” auszuprobieren, um das Gefühl kennen zu lernen, man merkt dann recht schnell, ob das klappt oder nicht. Die einfachste Variante ist, sich einfach in Reiter*innenstellung auf ein Kissen zu setzen, ich empfehle noch, eine Kissenecke einklappen, damit man mehr Druck auf der Klitoris spürt. Dann geht es um die Körperbewegungen und die Muskeln in den Beinen. Man kann mit An-und Entspannung spielen, und die Hüften vor und zurück bewegen. Es kann helfen darüber nachzudenken, welche Bewegungen man mit der Hand macht, wenn man sich selbst entzückt, und sich an denen zu orientieren! 

Könnt ihr euch noch an den Film "Mädchen Mädchen" erinnern? In dieser Szene bekommt sie einen unvorhergesehenen Orgasmus auf dem Fahrrad. Plötzlich überkam sie die Lust und die Reibung am Sattel brachte sie zum Kommen.

Was waren auf dem Weg zum jetzigen Produkt deine lustigsten,
spannendsten Erfahrungen? 

Sanja: Meine lustigsten Erfahrungen habe ich meist auf Partys! Wenn es reihum geht und alle erzählen, was sie so beuflich machen, gibt es meist große Augen, wenn ich von entzück dich selbst erzähle! Die meisten Männer und Personen mit Penis denken nicht zwei mal drüber nach, aber für viele Frauen und Menschen mit Vulva bin ich die erste Person in ihren Leben, die offen überdas Thema spricht – damit werde ich oft zu einem Beichtstuhl…  Den Rest des Abends kommen dann immer wieder Personen zu  mir und erzählen mir ihre peinlichen Selbstentzückungs-Anekdoten oder Fragen ob ihre Art es zu tun normal ist. Da sieht man, wie wir alle darauf warten, endlich mal darüber zu sprechen!

(Wenn Du mehr über Masturbation lesen willst klick hier für unseren Artikel
–> „Selbstbefriedigung ist fantastisch“ <–)

Du hast dem Thema Masturbationen eine ganze Masterarbeit gewidmet, was waren die überraschendsten oder alarmierendsten Erkenntnisse aus deiner Masterarbeit über weibliche Masturbation und patriarchale Gesellschaftsstrukturen?

Sanja: Am meisten schockierte mich die Erkenntnis, dass es eine Norm für Masturbation gibt, die wir verinnerlicht haben. Wir denken Menschen mit Vulva masturbieren auf dem Rücken, penetrieren sich selbst, sehen sexy dabei aus und spielen an ihren Brüsten rum. Wenn unsere Praxis anders aussieht (was fast immer so ist) vergleichen wir  uns mit der Norm und schämen uns, wenn wir nicht so “sexy” dabei aussehen, oder wenn wir uns nicht gerne penetrieren. Das geht so weit, dass einige Personen in meiner Umfrage erzählt haben, dass sie sich, wenn sie alleine sind, penetrieren, obwohl es ihnen gar nicht gefällt, weil man das “eben so macht”. Das fand ich ganz schlimm.

Die Top Drei Kommentare von Männer, die du nicht mehr hören kannst ?

Sanja:

  • “Männliche Masturbation ist aber auch tabuisiert, da spricht keiner drüber!!!”

  • “Wie notgeil kann man sein, ein Kissen zu f*cken? Such dir lieber mal einen Mann!”

  • “Oh was für ein spannendes Projekt! Magst du mir mal zeigen wie man das Kissen benutzt?”

Du wirst zur Gesundheits- und Sexualministerin ernannt: welche Änderung würdest du als Erstes durchführen? 

Erweiterung des Sexualkundeunterrichts, der nicht von Bio-Lehrer*innen, sondern dafür ausgebildete Sexualtherapeut*innen unterrichtet wird, und nicht nur über heterosexuellen, vaginalen, penetrativen Sex aufklärt, sondern auch über das ganze Spektrum der Sexualität und möglichen Identitäten, so wie über Masturbation und Kommunikation mit Menschen, mit denen man schläft.

Was möchtest du Frauen am liebsten sagen, wenn sie erzählen, dass sie sich für ihre Masturbationsart schämen?

Sanja:

Es ist ganz normal und vom Patriarchat so gewollt, dass wir uns schämen. Die Scham wird leider nicht einfach aufhören, wir müssen aktiv daran arbeiten, sie abzulegen! Wir müssen uns mit unserer Gesellschaft befassen und verstehen, warum weibliche Selbstentzückung so tabuisiert ist: Sie beweist die sexuelle Unabhängigkeit von Frauen in einem System, dass auf weibliche Abhängigkeit gebaut ist. Und es ist wichtig darüber zu sprechen, mit Freund*innen und auch mit Sexualpartner*innen! Wenn das gerade noch zu viel ist, kann es ein guter Start sein Aufklärungs Influencer*innen zu folgen, und sich so daran gewöhnen wie es sich annfühlt, Andere darüber sprechen zu hören. Masturbation ist so wichtig, sie gibt uns einen sicheren Raum zu erkunden, was wir wirklich mögen. Nur wenn wir das wissen, können wir das auch an unsere Partner*innen weitertragen!

Stichwort Big Clit Energy: wann hast du das letzte mal die Big Clit Energy so richtig gespürt?

Sanja: Am Wochenende durfte ich einen Talk über meine Forschung beim feministisch-queeren Festival “Britney X” des Schauspielhaus Kölns halten. Der Raum war picke-packe voll, hauptsächlich mit weiblich gelesenen Personen, und die Stimmung im Raum war unglaublich. Empowerend, verständnisvoll, sicher. Das war pure big clit energy. 

Die schönsten Kundenfeedbacks: über welche Rückmeldungen hast Du dich besonders gefreut? 

Sanja: Die Nachricht einer Person hat mich zum weinen gebracht. Es war eine Frau, die in ihrer Kindheit sexuelle Traumata erlebt hat und deshalb ein schwieriges Verhältnis zu Sexualität hat. In ihrer Jugend hatte sie oft Sex um anderen zu gefallen, und hat von sich aus nie viel Lust verspürt, weshalb sie auch nicht wirklich masturbiert hat. Durch meinen Content auf Instagram hat sie sich daran erinnert, dass sie das mit dem Kissen früher auch gerne gemacht hat. Sie hat sich einen Sattel bestellt und mir geschrieben, dass sie dank meinen Inhalten und meinem Toy langsam zurück zu ihrer Sexualität findet, und den ersten Orgasmus ihres Lebens hatte! Ich habe schon mehrere Nachrichten erhalten, dass Personen durch meinen Content oder mein Toy dieses Erlebnis zum ersten Mal hatten. Das macht mich einfach sprachlos.

Was ist deine Vision einer geschlechtergerechten Welt und welche Schritte sind nötig, um sie zu erreichen?

Sanja: Die schönste Version ist meiner Meinung nach die einfachste: gegenseitiger Respekt, der nicht vom Geschlecht abhängt. Eine Welt, in der wir so etwas wie einen Frauenquote nicht brauchen, weil Frauen auf natürliche Weise Anteil haben, mitforschen, mitarbeiten und laut sein können. Eine Welt in der der Fokus von Forschung, Polititk und Strukturen solange auf Frauen gelegt wird, bis endlich die Lücken geschlossen sind. 

Leider ist die Benachteiligung von Frauen so sehr in unser System eingebacken, dass es auch viele Frauen gibt, die das nicht merken und sagen, es wäre doch alles gut. Deshalb wünsche ich mir realistischer und kurzfristiger erstmal, dass Frauen sich damit beschäftigen. Mit dem Gender-Care-Gap zum Beispiel, ich halte das für eine Ungerechtigkeit die ausnahmslos jede Frau schonmal am eigenen Leib gespürt hat. Und dann wünsche ich mir viel weibliche Wut über die Missstände, denn Wut ist ein wahnsinnig starker Antrieb für Veränderung.

 

www.entzueckdichselbst.com 

Wir sagen auf die Sattel los ! Danke für das spannende Interview ! 

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Maria Hanny

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