Maria Hanny 

Interview Reinhard Gaida

Reinhard Garda Porträt

„Wenn du über Sexualität redest in Bezug auf Räume dann denken die Menschen sofort an Swingerclubs oder Bordelle – dahinter gibt es keine Konzepte, da ist nichts da.“ 

Die Schwelle 

Reinhard Gaida gründete 2012 die Schwelle. Ein Safe Space, wo eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität stattfindet. Die Schwelle ist ein Raum für Erwachsene, die sich ausprobieren möchten. Konsens ist hier gelebte Ideologie und es werden Workshops und Weiterbildung angeboten. 

„Die Schwelle ist ein Ort ohne jeglichen politischen oder religiösen Hintergrund und ist kein Swinger- oder Sexclub. Volljährige Menschen aller Geschlechter (das beinhaltet auch Menschen mit Trans*- und Non-Binary-Identität) und mit allen Ausdrucksformen der Sexualität, inklusive Hetero-, Bi-, Homo- und Asexualität sind herzlich einladen, uns zu besuchen.“

FemStories war in der Schwelle zu Gast und hat gemeinsam mit dem Gründer Reinhard Gaida über eine Konsenskultur philosophiert, Play Fights analysiert, BDSM angesprochen und über den problematischen Auftritt von Rapper Yung Hurn bei den Wiener Festwochen geredet.  

Lieber Reinhard, wie beschreibt man die Schwelle für Menschen, die noch nicht bei euch waren? 

Die Schwelle ist ein Sex positiver Raum. Sie wird von Leuten betrieben und von Menschen besucht, die Sex als etwas grundlegend Positives ansehen. Das ist so die kleine Beschreibung. Was es das dann alles heißt wenn man in die Tiefe geht, ist sehr vielschichtig.

Allgemein versteht sich die Schwelle als Wohnzimmer mit gewissen Regeln:

  • Die Hauptregel ist Konsens. Frag, bevor du was tust. Frag, bevor du wen berührst. Und alles andere als ein enthusiastisches JA bedeutet NEIN. 
  • Keine Mobiltelefone 
  • Schuhe werden beim Eingang ausgezogen

Und das macht schon wahnsinnig viel mit der ganzen Atmosphäre.

Prinzipiell ist es so: Du kannst Sex haben wenn du zu uns kommst MUSST du aber klarer weise nicht! Viele Leute kommen zum Café trinken, zum Tanzen, um neue Menschen kennen zu lernen. Manche kommen um Sex zu haben aber es ist nicht das primäre Ziel. Und das ist der große Unterschied zu anderen Clubs oder Räumlichkeiten. 

Früher beim Ausgehen war das für mich so: 
Da hats’ Clubs gegeben, wo die Leute sich kennen lernen wollten, wo es um Sex ging aber keiner es ausgesprochen hat. Die Leute nahmen Drogen, sie tranken. Das alles war für mich unpassend. 

Und auf der anderen Seite gab es Swingerclubs, die für mich auch nicht gepasst haben weil man hier den Druck bekommt, man MUSS Sex haben. 

Und da hab ich mir gedacht, es braucht etwas in der Mitte. Etwas, wo Sexualität nicht so ein riesen Thema ist sondern ganz normal. Und das ist uns mit der Schwelle gelungen.

Das Schöne an der Schwelle ist vor allem, dass sich besonders Frauen bei uns wahnsinnig wohl fühlen weil du dieses männliche Jagdverhalten hier nicht hast.

Wie hat die Geschichte der Schwelle begonnen?

Wie wir gestartet haben – und ich sag immer „wir“ weil aus dem ganzen Ort heraus eine Community entstanden ist – wussten wir nicht, dass der Ort Sex Positiv wird. 

Angefangen haben wir mit SM Richtungen, mit Bondage und vielen Kursen und Unterrichten. Dann sind immer neue Aspekte dazu gekommen. Tantra, Polyamorie usw. Dann hatten wir Kinky Parties, wo sich die Menschen aufstylen und zum Tanzen kommen.

Und aus diesem Tun heraus hat sich diese Positionierung nach ca. 5 Jahren ergeben. 

Persönlich habe ich begonnen weil ich gesehen habe, es braucht einen Raum, der so positioniert ist, dass Sexualität etwas ganz Natürliches ist. Das war alles ein spannender Lernprozess!

Am Anfang wirst du belächelt, die Menschen sagen, du bist größenwahnsinnig. Wie das immer so ist wenn du etwas Neues machst, das die Menschen berührt. Da gibts auch Widerstand. Klar, sonst wärs nicht wichtig. 

Mittlerweile fühle ich mich mit dem Projekt total wertgeschätzt und hätte mir selber gar nicht gedacht, dass es eine derartige Wichtigkeit bekommen wird.

Nächstes Jahr gibt es eine Sex & Health Conference auf der Universität Wien, wo die Uni auch als offizieller Partner der Schwelle auftritt. Wir arbeiten mittlerweile mit Pharma Konzernen und vielen offiziellen Beratungsstellen der Stadt Wien zusammen, die unsere Events sponsern und unterstützen.  

(Beratungsstellen zum Thema Sexualität in Wien: Sofie, Courage)

#MeToo hat dann auch noch einmal gezeigt, dass wir am richtigen Weg sind.

Was mich aktuell wirklich erbost sind die Künstler, die zu den Wiener Festwochen eingeladen worden sind. Da arbeiten wir seit Jahren an einer Konsens Kultur, wo es darum geht, frag bevor du wen berührst, frag bevor du Aktionen setzt.

Und auf der Eröffnung der Wiener Festwochen treten Rapper auf, die Frauen ins Gesicht spritzen wollen. Und das wird dann als Kunst und Kultur verkauft. Nein. I am sorry Nein!

Was es wirklich braucht ist ein Bewusstheit auf das Thema und da fehlt von offizieller Seite für mich noch die Wahrnehmung. Und auch die Förderung dessen. Wir haben beispielsweise von Anfang an nie eine Förderung bekommen. Ich hab auch nie eine eingereicht – bei welcher Stelle auch? 

WISSEN

PLAY FIGHT

„Play Fight ist allen voran eine Konsens Schulung“

playfight schwelle

Beim Play Fight geht es darum Präferenzen zu zeigen.
JA! / NEIN! / STOPP! sagen lernen, das ist ganz wichtig!
Manchmal ist ein Play Fight spielerisch, manchmal sexuell, manchmal aggressiv aber immer spielerisch. 

Und es kommt immer darauf an, was zwischen den beiden erwachsenen Personen, die sich auf eine konsensuale Handlung einlassen entsteht. Das geht vom Kitzeln bis zur Ohrfeige, bis zum herum rollen. 

Spannend ist, wir sind in einem Sex positiven Raum, es geht um Play Fight und in 10 Jahren hat beim Play Fight noch nie jemand Sex gehabt. Und Nacktheit kann ich an einer Hand abzählen.

Das brauchts’ auch um zu verstehen, was ein Sex positiver Raum eigentlich tut und was passiert wenn Sexualität nicht so verdrängt wird. Nämlich man geht total entspannt damit um und es muss eben nicht sein. Das gehört zum Prozess dazu um darauf zu kommen, was will ich eigentlich wirklich?

Rainhard Gaida im Interview

Was bedeutet 
FLINTA?

  • steht für alle Frauen, die sich als weiblich identifizieren.
  • in FLINTA* steht für Lesben, also weiblich gelesene Menschen, die homosexuell sind.
  • in FLINTA* steht für Intersexuelle Menschen. Jemand, der intersexuell ist, weist von Geburt an biologisch sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale auf.
  • N steht für jene Personen, die Nicht-binär sind. Diese Personen identifizieren sich somit weder mit dem weiblichen Geschlecht, noch mit dem männlichen Geschlecht.
  • T steht für Menschen, die Transgender sind oder für Transfrauen und –männer.
  • A bezeichnet Menschen, die Agender sind. Das sind Personen, die kein Geschlecht haben. 

KINK AWARENESS 

„Kink Aware Professionals sind Experten aus unterschiedlichen Bereichen, die mit Menschen verschiedenster sexueller Orientierungen, Präferenzen und alternativen Beziehungsmodellen arbeiten. Sie stehen diesen Formen der Sexualität offen gegenüber, solange sie einvernehmlich, sicher und mit gesundem Menschenverstand praktiziert werden.“

(www.kinkaware.at)

 

Schwelle Festival

schwelle Festival

Das Schwelle Festival ist gleichzeitig Retreat und Festival in einem. Workshops und Veranstaltungen im Kontext von consciousness, love and healthy sexuality.

Wann hast du die Schwelle gegründet?

Die Schwelle wurde 2012 gegründet. 

Wie war der Gründungsprozess?

Durchaus herausfordernd. Wie ich 2012 begonnen habe gab’s in Wien nichts in diese Richtung. Diese ganze Sex Positive Kultur, die sich mittlerweile entwickelt hat, die war nicht da. Ich war mehr oder weniger der Erste. Es gab Leute, die mit Sex gearbeitet haben aber was einen Sex Positiven Raum anbelangt sind wir die Vorreiter. 

Es war spannend. Wenn du über Sexualität redest in Bezug auf Räume dann entsteht bei den Menschen sofort ein Bild im Kopf. Das Erste ist immer Swingerclub und das Zweite ist immer Bordell und dahinter gibt es keine Konzepte, da ist nichts da. Und das war durchaus herausfordernd, dass die Leute verstehen, wofür die Schwelle eigentlich steht. 

Das kannst du ja nicht in einem Satz erklären. Ich sag immer „man muss da gewesen sein das man’s erleben kann. Wie das ist wenn Menschen offen und konsensual mit Sexualität oder mit Flirten, mit Intimität umgehen. Und das ist einfach wunderschön! 

Es fällt das ganze männliche Getue weg, die Frauen fühlen sich viel wohler und können dadurch auch Initiative übernehmen. Das ist einfach gut. 

schwelle, sex positiver raum eingangsbereich
Eingangsbereich der Schwelle

Die erste Veranstaltung – erinnerst Du dich noch daran?

Ja, das weiß ich noch ganz genau! Die erste Veranstaltung war Play Fight. Im Juli 2011 habe ich eine Facebook Veranstaltung erstellt und zum spielerischen Raufen ins Hara Shiatsu Institut auf der Mariahilfer Straße eingeladen. Damals kamen 8 Leute. Beim nächsten mal warne es dann schon 25. Dann hab ich mir gedacht ich miete mir einen größeren Raum, damals die alte Schwelle im 9. Bezirk. Dann hab ich den Verein gegründet. Da war Play Fight einmal im Monat. Jetzt haben wir es jeden Sonntag. Und aus dem Workshop Play Fight ist die Schwelle entstanden.

Das ist auch ein ganz wichtiger Workshop. Es hat ein bisschen was von Dating: die Personen treffen sich und sitzen im Kreis zusammen. Dating deshalb weil du in die Mitte gehst und eine Person fragst, ob sie mit dir in Kontakt gehen will. Die Person kann ja oder nein sagen. Wenn „Nein“ dann ist die Antwort immer „DANKE“ und wenns zum Kontakt kommt, kann man zu jeder zeit „STOP“ sagen. Und das ist eine Konsens Schulung. 

Weil du gehst in die Mitte, du fragst, das heisst du lernst fragen, du lernst nein sagen, du lernst stop sagen und all das muss akzeptiert werden. 

Mit diesem Workshop arbeiten wir seit 10 Jahren an der Einführung einer Konsens Kultur.

Und wir haben jeden Sonntag 20-40 Leute da, die den Play Fight machen. Jetzt kannst du dir ausrechnen, wie viel Leute seit 10 Jahren schon da waren.

Ist der Play Fight geschlechter gemischt? 

Der Standard Play Fight ist gemischt. Bei uns sind grundsätzlich alle Geschlechter und alle sexuellen Ausrichtungen willkommen. Es gibt aber auch einen FLINTA Play Fight also Play Fights ohne CIS Männer und natürlich geleitet von einer Frau.

Welche anderen Workshops gibt es bei euch? Wann kann man die Schwelle besuchen? 

Wir haben nur zu den Terminen offen. Wir sind kein klassischer Gastro Betrieb.

Wir sind ein Sex Positiver Raum und alle Events, die wir veranstalten haben mit Sexualität zu tun. Aber es kann natürlich auch sein, dass das überhaupt kein Thema ist. 

Wir haben Play Fights, wir haben Bodysexworkhops, das ist ein Gruppen-Masturbationsworkshop für Frauen, wir kriegen demnächst einen Feminine Movement Workshop, geleitet von einer sehr erfahren Pole Lehrerin und dann gibt es ganz viele Workshops zu BDSM wie Bondage, Pain Processing usw. Ich selber leite die Hypnose Workshops. Viele Leute glauben da zuerst man kann unter Hypnose mit ihnen alles machen (lacht) Nein, so ist es nicht. Auch hier geht es um Konsens. Es ist halt ein Trancezustand.

Es gibt nächstes Jahr im Februar die Sex & Health Conference auf der Universität mit uns. Und im Oktober gleich ein ganzes  Festival in Zell am See in einem 4 Stern Thermen Hotel mit einer 1000m2 Spa Anlage, wo wir das ganze Hotel 5 Tage gemietet haben und dort Workshops und Parties veranstalten. Da arbeiten wir auch ganz eng mit dem Cabaret Bizarre aus der Schweiz zusammen. 

Dieses Festival liegt mir persönlich sehr am Herzen. Es ist auch wirklich schwer wenn du extern etwas organisieren willst, Locations zu finden. Nach wie vor ist das leider so. Aber wir haben es geschafft und freuen uns schon sehr auf 5 Tage die Schwelle Festival.

Es fehlt die Bildung und die Konzepte im Kopf was Sexualität und Örtlichkeiten betrifft. Wenn wir über Sex und Räume reden sind wir immer in Swingersclubs und Bordells. Wenn sich da was ändert wird sich auch gesellschaftlich etwas ändern. Wir brauchen eine Konsenkultur. Das hat uns Metro schon gezeigt. Und die Arbeit in diese Richtung wir noch zu wenig voran gebracht. 

Mittlerweile gibts schon viele Anbieter*innen wie Fredi Frederika Ferkova, aber es darf noch viel mehr sein.

Was ist dein persönlicher Lieblingsworkshop hier?

Ganz klar Play Fight 🙂 Anfangs habe ich den Workshop selbst geleitet, mittlerweile habe ich die Leitung schon abgegeben. Und im Moment leite ich am liebsten den Hypnose Workshop. Weil ich wirklich merke, wie die Menschen sich weiterentwickeln und dazu lernen und das Sinn macht.

Hypnoseworkshops – was genau passiert hier?

Es geht darum in Trance zu gehen, das man lernt Trance herzustellen. Und nachdem es ein Sexpositiver Raum ist, ist es auch Weiterbildung im Konsens und Sex Positiven Bereich. 

Ich bin vom Grundberuf Lebens- und Sozial Berater und da findet natürlich auch viel Arbeit im Kopf zum Thema Sexualität statt. Alte Bilder los lassen, neue Konzepte kreieren. 

Und das geht natürlich einfacher wenn du in einem entspannten Zustand bist. Aber es geht natürlich auch darum Spaß zu haben und dazu zu lernen und Trance und Sexualität ist ein ganz intensives Thema (lacht)

Was kann Hypnose im sexuellen Rahmen? Hilft es, weniger im Kopf zu sein und mehr auf sich und seinen Körper zu hören? Was kann man sich darunter vorstellen ? 

Du darfst dir das so vorstellen: Leute glauben oft, wenn sie über Hypnose reden das ist etwas, da kann wer was mit mir machen und plötzlich steh ich auf der Bühne und Kikeriki wie ein Hahn. Das ist es nicht (lacht)

Es geht darum, das man lernt in Trance zu gehen, alleine oder wenn man das konsensual will auch mit wem anderen. Und im Trancezustand hast du dann natürlich ein wesentlich intensiveres Erleben weil du Teile deines Unbewussten miteinschließt oder auch in Bereiche vordringst, wo du noch nicht warst. 

SM kann auch eine Art Trance sein. Wenn du mit Pain Processing, also mit dem Verarbeiten von Schmerz spielst und du atmest da rein dann kann dich das natürlich „kicken“ und schüttet alle möglichen Botenstoffe aus die dich glücklich machen, die dich intensiver erleben lassen. Gleichzeitig kann es aber auch sein, dass du in Bereiche vordringst, wo sich vielleicht negative Emotionen lösen. Auch das ist OK, das kann passieren. Wenn du dich intensiv auf Sexualität einlässt dann kann es schon mal passieren das man zum Weinen anfängt.

Hypnose ist keine Therapie aber sie kann einen therapeutischen Effekt haben. Das passiert auch bei SM. Wenn du gefesselt bist, kann es sein, das du auch Angst fühlst.

Ist der Hypnosekurs ein 1:1 Workshop ?

Nein, wir machen das mit mehreren Personen, mindesten 8. Wir hatten auch schon mal 30 Leuten dabei. Es ist sehr unterschiedlich. 

Corona war in den letzten 2 Jahren sehr präsent. Wie war es für euch?

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken wie es mit der Schwelle weitergehen wird. 

Und was kam dabei raus?

Das es ganz viel auch darum geht, dass der Raum Frauen zur Verfügung steht. Was natürlich bedeutet, dass ich bei vielen Events nicht mehr dabei sein werde aber das ist meine Arbeit (lacht)

Vor allem wenn ich sehe, was momentan in den Clubs abgeht. Wir diskutieren darüber, ob wir Strohhalme haben. die dir anzeigen, ob K.O Tropfen in deinem Getränk sind.

Es braucht Räume, in denen das nicht passiert und von denen braucht es viel mehr und da gibt es im Moment nicht viel.

Warum gibt es diesen Zustand? Woher kommt diese negative Entwicklung?

Meine Beobachtung ist, dass Männer Angst vor Sexualität haben. Das ist jetzt eine Verallgemeinerung, ich weiß. Aber wenn ich dieses Verhalten seh’, was in den Clubs passiert, dieses männliche Getue untereinander da denk ich mir, die haben Angst. 

Hinzu kommt, dass wir auch eine gesellschaftliche Schulung erleben, die versucht Sexualität zu unterdrücken. Das ist natürlich schwierig. Wir kennen alle die Vorgänge des Unbewussten. Wenn du etwas zurückhältst oder versteckst, dann regiert es dich aus der Dunkelheit heraus.

43% der weltweiten Internet User schauen sich Pornoseiten an. Damit wird etwas abgedeckt, das nicht gelebt oder nicht gelebt werden darf. 

Und da bewegt man sich als Gesellschaft in eine Richtung, die nicht gewollt sein kann. Es hat sich zum Glück schon viel getan, der Lifeball in Wien, diese ganze Sex Positive Bewegung. 

Meine Wahrnehmung ist, dass es dieses Thema schon immer gegeben hat. Aber durch Bewegungen wie #MeToo oder auch dem Feminismus im Allgemeinen haben viele Frauen den Mut gefunden, sich zu äußern. 

Das spiegelt sich dann natürlich auch in dem Verhalten der Männer wieder. Es macht sie unsicher, sie fragen sich, wie weit sie gehen können? Ist es ok, jemanden zu berühren? Das sorgt für Unsicherheit aber auch für eine Vorsicht, die meiner Meinung nach, gesund ist. 

Es bringt die Rollenbilder zum einstürzen und das ist gut.

Als Mann möchte ich auch klare Ansagen bekommen. Ein klares Nein ist wirklich super! Schlimm ist immer ein Wischi Waschi.

Wir haben auf unserer Seite gerade einen Schwerpunkt zu BDSM. Was kannst Du unseren Leser*innen empfehlen?

(Lacht.) Sie sollen zu uns in die Schwelle kommen! Play Figth ist ein guter Einstieg aber jeder Einstieg ist ein guter Einstieg. (Lacht) ! Play Fight sollte man sich unbedingt anschauen weil es eine Konsensschulung ist. Dann gibts Vorträge zum Thema „Pain Processing“. 

Diesen September werde ich selbst eine Workshop zum Thema „Dominanz und Hingabe“ leiten. 

Ecstatic Dance von Mel Merio ist auch eine super Veranstaltung. Der ist sexuell auch nicht überfordernd und immer ein cooler Einstieg zu uns zu kommen.

Single Bondage Mixer jeden Freitag vor der Kink Night auch super. Hier erklärt unser Workshopleiter Tom die Basics. Es ist auch ein bisschen ein Dating Event. 

Die Conscious Kink Night selbst ist auch eine tolle Veranstaltung. In sinnlicher Wohnzimmeratmosphäre kann hier ausprobiert, neues gelernt oder einfach nur beobachtet werden. Unsere Schwelle Stewards stehen euch den ganzen Abend für Fragen und Antworten zur Seite.

Oder sie sollen ganz einfach diesen Oktober auf unser Festival in Zell am See kommen. 

BDMS ist oft mit dem Vorurteil eines vorausgegangenen Traumata behaftet. Fifty Shades of Grey hat seines noch dazu getan: die Geschichte der Hauptfigur, die in seiner Kindheit einen Missbrauch erlebte und das dann in seiner Sexualität auslebt. 

Es gibt Menschen mit Traumata aus der Kindheit, es gibt Menschen mit diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen oder komplexen posttraumatischen Belastungen. Ja mache von denen findest du im SM Bereich manche von denen findest du auch im Freibad. Meine Erfahrung ist, wir sind alle traumatisisert. Manche mehr, manche weniger. Und ja dann gibts Menschen die arbeiten ihr Traumata mit SM auf. Manche tun das nicht. Für manche macht es einfach nur Spaß. Ich würde da nie verallgemeinern. SM ist auch keine Therapie hat aber einen therapeutischen Effekt.

Fifty Shades of Grey …(Reinhard atmet tieeeef durch)

Viele Menschen die mit SM zu tun haben sind sehr dankbar weil es natürlich eine Eröffnung in der Gesellschaft verursacht hat. Auf der anderen Seite ist der Film ein Schaß weil es nix mit SM zu tun hat. Es ist eine Standard heteronormative, unkonsesusale Liebesgeschichte, die man eigentlich so nicht möchte. Der Film bedient Stereotype, die wir nicht bedienen wollen. 

Mit der Realität, wie SM läuft und wie SM ist, hat der Film wie gesagt, gar nichts zu tun. 

Bei BDSM geht es immer um Konsens. Es geht immer um zwei erwachsene gesunde Menschen, die sexuelle Handlungen vollziehen, die sie beide wollen und die ihnen beiden Spaß machen. 

Für mich ist BDSM was ganz Geradliniges, was man sich ganz klar ausmacht, was sehr viel Intimität, Nähe und Einlassen erfordert. Und das kann durchaus einen therapeutischen Effekt haben. Aber das hat es ganz ganz ganz ganz oft nicht. Und für ganz viele Menschen nicht. 

Ein wichtiger Aspekt in diesem Thema ist auch das Kink Aware Professionals (KAP) Netzwerk. Gegründet von Ing. Natascha Berger, MSc. Mag. Astrid Pfneisl, Univ. Ass. MMag. Ernst Vitek, MSc. und von Mag. rer. nat. Dr. phil. Martin Gostentschnig.

(Siehe Wissenswertes) 

Was waren für dich die schönsten Momente der letzten 10 Jahre Schwelle:

Nach zwei Jahren Corona die Wiederöffnung am 5. März 2022, wo so viele Leute da waren und ich gemerkt habe, wie wichtig das Thema ist. Und trotz das wir so lange geschloßen hatten, kamen die Menschen. Du hast natürlich Ängste wenn du zwei Jahre zu haben musst. Die Wiedereröffnung hat mich in meinem Weg bestätigt, das es der Richtige ist.

Sehr intensiv auch die Online Konferenz Polyamorie. Emotional eine riesen Herausforderung weil ich viel über mich persönlich und meine Arbeit erzählt habe. Das war sehr bewegend. Und dann das Feedback wenn du dich öffnest – das tat so gut.

Ein weiteres Highlight war mit Sicherheit das Sexolution Festival 2019. Wenn du da plötzlich vor 300 Menschen sprichst, die 5 Tage Workshops zum Thema  Sexualität, Intimität und Sex Positive erlebt haben ist das ein wahnsinnig schönes Gefühl. Das war mein persönlicher Ritterschlag für die Arbeit, die wir in den letzten 10 Jahren geleistet haben und an den ich noch oft denken werde.

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