Maria Hanny 

Interview Jasmin Hagendorfer

„Pornos sind nach wie vor ein großes Streitthema im Feminismus. Ich bin Pro Porno und möchte, dass alle einen schönen Zugang zu ethisch, feministischen Produktionen bekommen .“ 

Kunst & Pornografie. Eine leidenschaftliche Liaison!

Jasmin Hagendorfer ist Mitbegründerin und künstlerische Leitung vom Porn Film Festival Vienna, das sie seit 2018 gemeinsam mit Festivalleiter und Gründer Yavuz Kurtulmus organisiert. Ihr persönlicher Background: die Kunst. 

Als Künstlerin beschäftigt sich Jasmin in ihren Installationen, Performances und skulpturale Arbeiten mit Fragen über die Geschlechtsidentität. Ihr Schwerpunkt: feministische PornografieSie ist hier sehr vielschichtig, in allen Farben der Kreativität tätig und oft Teil von Kunst- und Filmjuries. Neben ihrem künstlerischen Schaffen hält Jasmin Hagendorfer Vorträge, veröffentlicht Essays und Artikel zum Thema Feminismus, Pornografie und Gegenwartskunst. Im Oktober 2021 war sie mit „Wie guter Porno die Welt retten kann!“ als Speakerin in der TED x Vienna Talk Reihe UNTOLD zu sehen. Im selben Jahr veröffentlichte Hagendorfer auch ihren ersten Kurzfilm als Direktorin. 

,„Fudliaks! Zerfetzt die Geschlechter“ ist „eine Multitude aus Sci-Fi-Creature-Flick, campy Musikvideo, grotesker Komödie, Agitprop-Streifen gegen heterozentristische Forschung sowie (soft)pornografisches subversives Statement.“ 

Vom 20. bis zum 24. April präsentiert Jasmin Hagendorfer und ihr Team die fünfte Ausgabe des Vienna Porn Filmfestivals. FemStories hatte vorab die Möglichkeit mit Jasmin in ihrem Büro im Creative Cluster persönlich zu sprechen. Über die Anfänge des Festivals, was Porno überhaupt bedeutet, welche Rolle Feminismus hier spielt und warum Porno so vielmehr ist als nur schmutzige Filmchen, erfährt ihr hier.

Liebe Jasmin, Pornos haben in unserer Gesellschaft nach wie vor ein gewisses Schmuddelimage anheften. Gleich ein ganzes Festival zu diesem Thema zu organisieren war sicher nicht Ohne – was waren die Struggles bei der ersten Ausgabe 2018? 

Die größte Komplikation für uns war sicher Raum für das Festival zu finden, was eher unerwartet kam. Wir, in unseren Vorbereitungen haben uns natürlich einfach ein schönes Film Festival vorgestellt aber beim Gegenüber sind ganz andere Alarmglocken los gegangen. Die malten sich sofort aus wir würden in ihren Räumlichkeiten Orgien veranstalten. Deshalb war es schwer im ersten Jahr Orte und Kinos zu finden, die wirklich mit uns zusammen arbeiten wollten. Vor allem weil in Wien ganz eigene Gesetzte herrschen wer pornografische Inhalte überhaupt zeigen darf. 

Am Anfang war es schon auch schwierig die Community von unserem Festival zu überzeugen. Vor allem Menschen mit feministischen Background. Im Feminismus ist Porno nach wie vor eine große Streitfrage: PorNO oder PornYES. Ich bin da eindeutig auf der JA Seite und möchte Porno inkludieren und schauen, dass alle einen schönen Zugang auch zu wirklich interessanten, ethischen Filme bekommen. 

Die größte Schlagzeilen haben wir aber von einer rechtsorientierten Partei in Österreich erhalten. Die wollten sofort wissen, was wir da genau machen und mit welchen Geldern wir das Festival finanzieren –  Stichwort Steuergeld. Man muss  ja schließlich auf die Werte der Kinder achten und ein Porno Festival in Wien geht nicht und schon gar nicht mit öffentlichen Mitteln finanziert. Das hat für einiges an Aufsehen gesorgt und gleichzeitig auch viele Menschen erreicht. Es war also durchwegs positiv für uns. 

Und wir haben damals übrigens keine Subventionen erhalten und die Finanzierung komplett selbst übernommen. Aber auch in der Kulturabteilung hat sich schon etwas geändert und wir werden heute von der Stadt Wien unterstützt

Es gibt nichts, was man nicht lösen kann und mit vielen Gesprächen und Aufklärung – die wir übrigens noch immer machen müssen – hat schlußendlich alles geklappt und das Festival war ein riesen Erfolg.

Wie entstand die Idee das Porn Film Festival Vienna auf die Beine zu stellen?

Ich komme ja aus dem künstlerischen Bereich und habe an der Kunstakademie unter der Leitung von Prof. Ashley Hans Scheirl (2021 übrigens verantwortlich für den Österreich Pavillon auf der Biennale) studiert.

Teile meiner Kunst beschäftigten sich schon immer mit dem Thema Sexualität und Pornografie vor allem auf Mainstream Plattformen. Damals rief mich deswegen ein Freund an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm ein Porn Film Festival zu organisieren. Es würde inhaltlich gut passen, da ich mich ja auch sehr viel mit Post Porn Politics, Körper, Sexualität und Pornografie auseinandersetzte. Somit bin ich mit Yavuz Kurtulmus ins Gespräch gekommen. Als zweier Team setzten wir die Idee um, Yavuz als Festivalleiter, der ja schon zuvor einige Reihen organisierte und mit mir als künstlerische Leitung. Heuer haben wir unser Kernteam erweitert und die ehemalige Opernsängerin Adrineh Simonian, kreatives Mind hinter Arthouse Vienna mit an Board geholt.

Bevor wir dann das erste Festival starteten haben wir im Schikaneder einen Test Ballon organisiert. Damals zeigten wir den Film „Pornocracy“ von der französisch- feministischen Produzentin Ovidie. Sie beleuchtet mit ihrem Film die Pornoindustrie, vor allem die Online Plattformen. Ovidie war selbst einige Jahre als Darstellerin vor der Kamera und ist mittlerweile Dokumentarfilmerin. Sehr sehr spannende Arbeiten!

Wir haben damals auch einige Kurz Film Reihen aufgestellt. Über Nacht haben sich dafür aberhunderte Leute angemeldet. Das war ein bombastischer Erfolg! Und hat uns vor allem gezeigt, dass wir am richtigen Weg sind.

Jasmin, kreative Leitung und Yavuz, Festivalleiter

Wie würdest du jemanden das Festival beschreiben, der noch nie dabei war? 

Das Porn Film Festival Vienna ist eine Plattform für Experten*innen und junge Filmemacher*innen  ihre Arbeiten einem breiten Publikum zu zeigen. In Workshops, Panel Diskussionen oder Vorträgen wird die jeweilige Thematik vertieft und aus unterschiedlichen Ebenen beleuchtet. Wir haben auch schon Kunstausstellungen organisiert. 

Es geht nicht immer nur um explizite Inhalte. Natürlich zeigen wir auch viele Schmuddelfilme und das ist auch gut so und man sitzt dann zu 100 oder auch schon mal zu 400 zusammen und schaut gemeinsam Porno.

Wie kann man sich das vorstellen im öffentlichem Raum mit Leuten, die man noch nie gesehen hat plötzlich gemeinsam einen Porno anzuschauen? 

Meistens wird verstohlen gekichert um die Situation ein bisschen zu überbrücken. Und dann macht es ja auch sehr viel Tolles und eröffnet neue Denkräume. 

Das Festival sieht sich selbst als einen offenen Raum für Diskurs. Wir wollen Sexualität, sexuelle Identität, Körper, Gender und Politik durch eine pornografische Linse betrachten. Wie gesagt, wir zeigen auch Dokumentarfilme ohne explizitem Content, die sich rund um das Thema Pornografie beschäftigen. Es gibt allgemein sehr viel Austausch und im Kino kann alles passieren. Bilder lösen Emotionen aus. Porno muss nicht immer nur sexuell erregen, was sehr sehr schön ist und wir freuen uns wenn das passiert (lacht) Aber Porno kann auch traurig machen, oder zum Lachen bringen, er kann mich zum Nachdenken anstoßen.

Dein schönster Porn Film Festival Moment seit der Entstehung im Jahr 2018?

Da fallen mir zwei Sachen ein:

Definitiv einer davon war die allererste Eröffnungsrede im Saal vor Publikum. Das war ein ganz besonderer Moment als wir da zu dritt, Yavuz Kurtulmus, Georg Schmidinger und ich auf der Bühne standen. Das war alles schon ziemlich cool und neu und frisch. Auch für mich weil ich damals eigentlich noch ein bisschen Bühnenangst hatte. Und dann zu sehen, wie all unsere Arbeit aufgeht und der Saal voll mit Leuten ist, die sich auf die Filme und auf das Programm freuen, war einfach wunderschön. Dieser Glücksmoment hat mich noch lange Zeit ziemlich  hoch gepusht (lacht).

Und der zweite Moment kommt bei jedem Porn Film Festival wieder: 

Ich geh meistens bei den Vorstellungen die ersten zehn Minuten mit rein ins Kino und schau mir bei bestimmten Filme, wo ich weiß, dass das herausforderndere Themen sind oder auch bei wunderschönen Filmen die Reaktionen des Publikums an. Ich freu mich jedes mal mich dann seitlich bei der Tür hinzustellen und wirklich mal auf die Emotionen der Leute zu schauen wenns losgeht. Von glücklichen Gesichtern bis zu absolutem Erstaunen – da kann alles mit dabei sein. Es gab auch schon Screenings, wo wahnsinnig viel geweint wurde weil die Filme so wahnsinnig emotional greifend waren. Ich denke da immer an Pieles (Skins – 2017)  von Eduardo Casanova. Das war einfach unbegreiflich schön. 

Wir kuratieren ja auch sehr explizite Einstiege und machen uns sehr, sehr viele Gedanken, wie Filme überhaupt programmiert sind. Vor allem bei den Kurzfilm Reihen. Zu sehen, was unsere Auswahl mit den Menschen macht, lässt mich jedes Mal schmunzelnd und voller Glückseligkeit aus dem Kino gehen. Diese Momente genieße ich jedes Jahr aufs Neue.

Wie war es eigentlich für dich als Frau dieses Festival zu veranstalten? Die Branche ist ja nach wie vor sehr männerorientiert.

Eigentlich von Anfang an für mich, also auf meiner gefühlten persönlich-emotionalen Ebene leicht. Ich habe mich ja schon in meiner Kunst mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich scheue mich nicht darüber zu reden.  Im Gegenteil, ich glaube das macht es aus und so kann Aufklärung auch passieren. Also auf der professionellen Ebene habe ich mir sehr leicht getan.

Privat kommen dann schon einige Probleme hinzu, was ich aber auch irgendwie erwartet habe. Beim Dating zum Beispiel wenn dich das Gegenüber fragt, was du machst. „Ja, ich mach da sowas mit Porno“ das sagst du dann eh schon mal nicht sondern du versuchst es immer klar und schön zu formulieren. Aber da sind natürlich 1000 eigenartige und merkwürdige Andeutungen gekommen.

Das war schon eine Zeit lang sehr schwierig das auf der privaten Ebenen immer wieder auch betonen und erklären zu müssen, dass ich trotzdem eine leitende Position in einem Film Festival inne habe und da dann schon ein großer Unterschied ist. Aber da merkt man ganz schnell, welche gesellschaftlichen Vorstellungen da mit dranhängen.

Welche war die beste Entscheidung in Deiner beruflichen Laufbahn?

Definitiv ins Porn Film Festival einzusteigen (lacht). Da hat sich sehr viel auch in meiner Sichtweise geändert. Auf meinen eigenen Körper, auf meine eigene Lust und persönlichen Bedürfnisse. Ich hab auch sehr viel gelernt darum mache ich ja auch das Porn Film Festival. Das war für mich am Anfang schon auch sehr mindblowing zu sehen, dass es noch andere Körper gibt, die auch meinem ähnlich sind. Überhaupt diese unterschiedlichen Körperformen auf der Leinwand zu sehen und dann  treiben die es auch noch ganz wild miteinander und haben noch dazu super viel Spaß daran, das hat schon viel mit mir gemacht. Das hat echt sehr viele persönliche Grenzen gesprengt. Und das ist es, was ich besonders spannend an meiner Arbeit finde. Als künstlerische Leitung setze ich mich auch mit Themen auseinander, die ich in erster Linie privat so noch nicht angedacht habe und das macht sehr viel auf in einem drinnen und wirkt auch noch sehr lange nach.

Was ist deine Meinung: kann Porno positive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben? 

Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, ich sehe da sehr viele unterschiedliche Dinge. Für mich kann Porno immer Möglichkeitsraum sein. Möglichkeitsraum bedeutet, dass ich durch Pornografie die Chance habe, mir mal Dinge anzusehen. Wenn ich mich jetzt für BDSM interessiere, für Power Plays oder andere Dinge, die körperlich sehr intensiv sind – etwas das auf einer konsensuellen Basis immer total in Ordnung ist übrigens  – dann lässt Porno mir die Möglichkeit, das mal einfach nur anzusehen. Interessiert es mich wirklich? Wie geht es mir dabei wenn ich mir die Bilder ansehe? Entdecke ich da schon Grenzen für mich?

Und ich habe hier jetzt ein extremeres Beispiel genannt. Das kann aber in alle unterschiedlichen Richtungen gehen.

Denken wir ein paar hundert Kilometer weiter und schauen zum Beispiel nach Polen, wo schon LGBTQ freie Zonen eingerichtet (BBC Beitrag dazu findet ihr hier) worden sind. Da werden Menschen auf Grund ihrer sexuellen Identität verfolgt. Oder noch ein paar hundert Kilometer weiter, wo das alles ganz andere Extreme annimmt. Da kann dann Porno auch Möglichkeitsraum sein zum Entdecken oder überhaupt mal sich auszuleben. 

Pornografie kann mich auch in meinem sexuellen Erwachen als Jugendlicher begleiten. Was ist meine sexuelle Identität? Was interessiert mich? Welche Geschlechter ziehen mich an? Und ich finde das kann man auch durch Pornografie entdecken. 

Hier muss man aber klar einen Unterschied zwischen Mainstream Pornografie und alternativer Pornografie machen. Ich will Mainstream Pornografie hier überhaupt nicht verteufeln! Es wird da schon auch sehr viel und unter guten Umständen produziert. Aber ein sehr großer Pulk an Dingen ist nicht so – das darf man niemals vergessen! 

Bei alternativer Pornografie können ganz unterschiedliche Ansätze drinnen sein. Das kann künstlerisch extrem toll verpackt sein. Das kann mir eine politische Message mit transportieren  wollen. Es gibt so viele Dinge, die dort passieren können, die mit mir als Betrachterin extrem viel machen und das sehe ich als immensen Vorteil an, sich dem auf diese Art nähern zu können. Pornografie ist immer Möglichkeitsraum um Vorlieben zu entdecken und das empfinde ich als etwas sehr Schönes.

Wir leben in einem digitalen Zeitalter – das hat klarer weise auch Auswirkungen auf die Pornografie. Wir haben Zugang zu so vielen unterschiedlichen Plattformen, Produktionsfirmen und können uns aus verschiedenen Perspektiven mit einem Thema befassen. 

Ich komme ja noch aus einer Zeit, wo das noch gar nicht so war – das darf man auch nicht vergessen. Bei uns gab es noch Old School VHS Kassetten, die man bei den Eltern gefunden hat und vielleicht noch ein paar Schmuddelheftchen unterm Bett. Und das wars dann auch eigentlich schon. Und da kann Pornografie natürlich auch aufklären! Es gibt so viel coole Videos, die das miteinander verbinden und da seh’ ich eigentlich immer Vorteile darin.

Du sagtest vorhin, dass Pornografie auch politische Messages transportieren kann. Hat Porno auch die Chance die sexuelle Gleichstellung von Frauen und Männern zu befeuern? 

Porno ist nie nicht politisch – Porno ist immer politisch! Alle Dinge, die wir in einer Gesellschaft finden seis’  Rassismus, Diskrimierung und Misogynie finden sich 1:1 in Pornografie wider. Weil es halt ja auch ein Spiegel der Gesellschaft ist. Es bedingt sich gegenseitig auch ja sehr. Natürlich kann man es auch als Tool nutzen um aufzuklären. Porno kann befreien und zeigen, dass es verschiedene Körper gibt und Altersstufen, die auch alle gerne Sex haben. Da kann so viel Tolles transportiert werden. Und ich denke, dass es definitiv als Tool genutzt werden kann. 

Ob Porno subversiv wirken kann ist eine gute Frage. Kann es helfen Frauen in der Gleichstellung weiter nach vorne zu bringen? 

Hmm naja wir sind nach wie vor im Patriarchat verankert, das wird uns nicht erspart bleiben – momentan zumindest. Wir sind auch noch im Kapitalismus verwurzelt, auch davon können wir uns gerade nicht befreien und wir alle leben noch immer in einem Nationalstaat. Das sind alles Fakten des Moments, mit denen man sich auch beschäftigen muss.

Das Patriarchat durch Pornografie zu zerschlagen wäre mir eine große Freude (lacht). 

Aber klar, Porno kann einen Teil dazu beitragen neue Blickwinkel entstehen zu lassen. Gerade in einem Genre das eigentlich nur dafür gemacht worden ist, dass Männer Blicke werfen dürfen. Stichwort Male Gaze – dafür wurde Porno eigentlich produziert.

Und das zu brechen und da weibliche* Perspektiven hinein zu werfen, die entweder vor oder hinter der Kamera produzieren,  die die Lust der Frau auch in einem anderen Kontexten zeigen als es in den letzten 100 Jahren, das ist schon eigentlich immer noch subversiv wenn man darüber nachdenkt. Von daher hat Porno sicher noch viel Potential und kann, meiner Meinung nach, sicher auch was aufbrechen.  

Ja Porno hat definitiv subversives Potenzial weil es andere Blicke werfen kann und was anderes hervorbringen kann. Das trifft sowohl alternative als auch feministische Produktionen ganz klar – aber das trifft auch schon Mainstream Produktionen. 

Eine Funstory von Pornhub: die Plattform bringt alle paar Jahre die meist gesuchten Schlagwörter heraus. Interessanterweise war es vor ein paar Jahren „Fem Porn“ ! Pornhub hat ab einem gewissen Punkt erkannt, dass sich die Menschen auch nach anderen Bildern dürsten auch wenn sie noch immer eine Mainstream Platform sind, die nach wie vor den Male Gaze bedient. Aber es gibt dort eben auch eine eigene Sektion die „Fem Porn“ heisst – übrigens im wunderschönen zartrosa mit Blütchen gehalten. Das lassen wir jetzt mal so stehen – immerhin haben sie diese Kategorie geschaffen. Da sehen wir auch, das der Mainstream Porno sich verändert und darauf reagiert, dass sich die Menschen auch gerne selber wiederkennen wollen. Das trifft nicht nur Frauen sondern auch Männer. Auch die wollen nicht immer den dauergeilen Hengst sehen, der immer kann.

Als Expertin, die sich schon sehr viel und lange mit dem Thema beschäftigt: kannst du uns kurz erklären was ethischer und feministischer Porno bedeutet? 

Für mich bedeutet ethisch oder feministisch produzierter Porno erstens mal das ganz viele Frauen* mit an Board sind. Das heisst hinter der Kamera, vor der Kamera, in den Produktionswegen und in der Weiterverarbeitung. Das würde für mich schon sehr viel ausmachen einen neuen Blickwinkel zu gewinnen. Und ganz klar das in so einer Produktionen auch die Lust der Frau im Zentrum steht. 

Ethisch oder Fairtrade Pornografie bedeutet für mich vor allem das fair bezahlt wird – auf allen Ebenen. Des Weiteren geht es um die Bedingungen am Set selber: werden hier Safer Sex Measures genutzt? Wird generell auf Hygiene geachtet? Auch sehr wichtig, das vorab mit allen Leuten am Set darüber gesprochen wird, was sie eigentlich erwartet. Was wird gedreht, wie wird das gedreht? Gibt es irgendetwas, das die Darsteller* nicht machen wollen? Wo sind hier die Grenzen ? Und auch das vorher sehr viel über Konsens geredet wird. Was darf passieren, was nicht? Wie kann ich mich aus  Situationen wieder rauskatapultieren, die mir zu viel sind? Wenn es jetzt ein sehr intuitiver Dreh ist.

Und in ethischen Produktion stellt sich auch immer die Frage, wo die Bilder erscheinen werden. Wer hat das Recht auf das Bildmaterial und wie wird das weitergetragen?

All diese Fragen und Antworten darauf würde für mich eine coole, ethische Porno Produktion ausmachen. 

Zum Abschluss: welche Online Plattformen kannst du fernab vom Mainstream unseren Leserinnen empfehlen? 

Auf alle Fälle die Plattform Femporn. Sehr cooles Projekt übrigens.

Dann wenns ein Wiener Tipp sein sollte Arthouse Vienna, die auch eine Streaming Plattform sind. Ansonsten würde es noch lustery.com empfehlen. Dann gibt es noch Pink Label .

Blue Artichoke produziert auch feministische Pornos. Und wenns ein bisschen mehr in eine queer – feministische Richtung gehen sollte, dann Aorta Films will never die! die auch ganz, ganz coole Produktion haben. 

Oder Four Chambers wenn man sich mehr in der Artsy Richtung inspirieren lassen möchte.

Danke für das großartige Interview! Das Gespräch mit Jasmin Hagendorfer war super inspirierend und wird noch lange Zeit bei uns in der Redaktion nachwirken. 

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