Doris Müllner

Hallo 
Klitoris!

Share Now

„Die Griechen wussten es schon immer, nicht umsonst bedeutet Klitoris übersetzt Schlüssel (zur weiblichen Lust)„

 

–> BREAKING NEWS ! BREAKING NEWS ! BREAKING NEWS! <–

Die Darstellung der Klitoris wurde von drei großen Verlagen Klett, Westermann und Cornelsen überarbeitet. Seit Februar 2022 zeigen Schulbücher nun die neuen Illustrationen. Wir in der Redaktion sind ganz aus dem Häuschen. Ein Schritt in Richtung Normalisierung der weiblichen Geschlechtsorgane. Mit zu verdanken haben wir diese Errungenschaft der 27- Jährigen Sport- und Biologielehrerin Sina Krüger. In Ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit der Darstellung der weiblichen Geschlechtsorgane. Ihr Fazit: Das männliche Geschlechtsorgan wurde anhand von Funktion und Lustempfinden beschrieben. Bei der Vagina beließen sich die Ausführungen auf ihre anatomische Funktion. Das wurde nun geändert. Und nicht nur das: auch eine sprachliche Anpassung wurde vorgenommen: „Schamlippen“ sind ab nun Vulvalippen (yeahhhh!!)

 „Die Überarbeitung schafft einen Raum für Schülerinnen und Schüler sich zu trauen, Fragen über sexuelle Lust und das weibliche Geschlecht zu stellen. Das kann Mythen und gesellschaftlichen Druck abbauen und so zu einer besseren sexuellen Gesundheit bis ins Erwachsenenalter beitragen. Außerdem hat es viel mit Repräsentation und Gleichstellung zu tun.“  Sina Krüger in der TAZ.

 

Eine Blume mit geschlossenen Blütenblättern“

So beschreibt die feministische Künstlerin Sophia Wallace die Klitoris. Wallace konzentriert sich in Teilen ihrer Arbeit auf das einzige Körperteil, das nur für sexuelle Lust verantwortlich ist: die Klitoris. Kaum ein Körperteil wird von so vielen Mythen umspielt, wie sie. Insbesondere beim heterosexuellen Sex gilt sie als schwer auffindbar und gleichzeitig als einziger Weg zum Glück – zumindest für Frauen*. Aber stimmt das alles wirklich und wozu ist die Klitoris eigentlich da? Das alles schauen wir uns genauer an. 

Von Schwellkörpern und Nervenenden: Alles über die Klitoris!

Die Klitoris gilt als eine der erogensten Zonen im weiblichen* Körper – darum wird sie auch „Kitzler“ genannt. Andere erogene Zonen können zum Beispiel Brustwarzen oder auch der Nacken sein, die bei einer Stimulation eine erregende bis hin zu orgasmische Reaktion auslösen können. Denn die Klitoris ist sehr empfindlich, da besonders viele Nervenendigungen an ihr konzentriert sind. Nicht umsonst bedeutet der Name „Klitoris“ auf griechisch auch „Schlüssel“ – ein Schlüssel zu weiblicher* Lust. Sie kann direkt mit der Hand, einem Sexspielzeug oder anderen Gegenständen stimuliert werden. Auch bei Penetration der Vagina kann die Klitoris erregt werden, allerdings kommen nur wenige Menschen auf diese Art zu einem klitoralen Orgasmus.  

Wo ist die Klitoris nun wirklich?

Das größte Rätsel rund um die Klitoris ist ihre Lokalisierung. Dabei ist sie ganz leicht zu finden – wenn man sich mit weiblicher* Anatomie auskennt. Deine Vulva sieht frontal betrachtet ein wenig aus wie ein Oval mit je einer Spitze oben und unten. Die Klitoris sitzt an der oberen Spitze, wo sie von einer Vorhaut geschützt wird. Die eigentliche Klitoris fühlt sich ein bisschen wie ein kleiner Knopf an. Sie besteht aus drei Teilen:

  • Der Eichel
  • Dem Klitorisschaft
  • Den beiden Kitzlerschenkel- und Vorhofschwellkörperpaaren
© Ernst Klett Verlag

Ein Blick auf die Anatomie lohnt sich

Der äußere Teil, die Eichel, wird oft mit der Klitoris gleichgesetzt. Obwohl sie nur etwa so groß wie eine Erbse ist, besitzt sie die meisten Nervenenden und reagiert deshalb so empfindlich auf Berührungen. Da sie kein dehnbares Gewebe enthält, schwillt sie im Gegensatz zum Rest der Klitoris während einer sexuellen Reaktion nicht an. Die Eichel wird wiederum von der Klitorisvorhaut geschützt, die von den Seiten der beiden Vulvalippen gebildet wird. Sie variiert in Größe und Fläche und ist damit wunderbar individuell.

© Zahra von Zeitgleich illustriert exklusiv für FemStories diese wundervolle Klitoris

Der Rest der Klitoris ist im Vergleich zur Eichel und Vorhaut nicht sichtbar. Der Klitorisschaft befindet sich vor der Harnröhre, ragt nach oben in dein Becken hinein und ist über Bänder mit dem Schambein verbunden. Vom Schaft gehen die beiden Kitzlerschenkel und Vorhofschwellkörper ab. Die Vorhofschwellkörper ziehen sich sowohl durch als auch hinter die Vulvalippen, vorbei an der Harnröhre und dem Vaginalkanal in Richtung Anus. Es sind diese beiden Teile der Klitoris, die bei Erregung anschwellen (wie der Name schon vermuten lässt), da sie sich mit Blut füllen. Das erhöht sie nicht nur die Lubrikation, also die Feuchtwerdung der Vagina, sondern steigert dazu noch deine sexuelle Stimulation und dein Lustempfinden. 

Vom Know-How zum How-To:
Klitoris stimulieren

Bevor wir uns der Stimulierung der Klitoris widmen, wollen wir dich nochmal daran erinnern, dass nicht alle Menschen mit einer Vulva ihre erogenste Stelle an der Klitoris haben müssen. Von den Zehen bis hin zur Kopfhaut kann das auch jede andere Körperstelle sein. Bist du allerdings an der Klitoris erregbar, ist die beste Art und Weise, mehr über das zu erfahren, was dich erregt, Selbstliebe, oder Masturbation.

  1. Finde den richtigen Ort

Zum Einstieg begibst du dich alleine oder mit einem*er Partner*in an einen Ort, an dem du dich wohl und geborgen fühlst. Bevor es südwärts geht, bring dich am besten erstmal in Stimmung, sei das über Küssen oder Berühren deiner anderen erogenen Zonen. Wenn du mehr Anregung von außen brauchst, können dir erotische Geschichten oder Pornos weiterhelfen.

  1. Lerne deine Umgebung kennen

Bist du dann eingestimmt, kannst du langsam die Aufmerksamkeit Richtung Klitoris lenken. Beim Erkunden deiner Klitorisregion können dir Finger, Zunge deines*er Partners*in oder ein Sexspielzeug helfen. Es kann beispielsweise auch sehr erregend sein, sich in Unterwäsche an einem Kissen zu reiben.

  1. Erkunde deine Klitoris

Hast du dich mit der Region rund um deine Klitoris bekannt gemacht, kannst du oder dein*e Partner*in langsam deine Klitoris berühren. Erregung geht nicht auf „Knopfdruck“, also sei geduldig und nimm dir Zeit. Wenn du merkst, dass du mental nicht ganz bei der Sache bist, dann versuche dich auf deinen Atem und damit wieder auf die körperlichen Sensationen zu konzentrieren. Sei kreativ, von Kreisen, bis hin zu leichtem Klopfen kann alles sehr erregend sein. Und vergiss dabei auch nicht, mit der Klitorisvorhaut zu spielen, denn auch sie weist sehr viele Nervenenden auf. 

  1. Sei kreativ

Hast du dich erstmal mit diesem kleinen, aber feinen Körperteil vertraut gemacht, kannst du probieren, den Druck und die Geschwindigkeit zu erhöhen und andere Körperteile wie Brust oder Nacken zu streicheln. Gleitgel kann bei der Stimulierung der Klitoris auch wahre Wunder wirken. 

  1. Stimulation von innen

Wie wir bereits erwähnt haben, ist es möglich, die Klitoris von innen zu stimulieren – mit einem Penis, Finger oder Sexspielzeug. Wichtig ist, dass du Spaß hast und aufhörst, wenn es du keine Lust mehr hast. Außerdem kommt nicht jede Person beim Sex oder Masturbieren zum Orgasmus – und das ist auch völlig in Ordnung. 

Diskussion G-Punkt

In der wenig vorhanden, aber immerhin zunehmenden Klitorisforschung wird auch der G-Punkt heißt diskutiert. Der G-Punkt, der einst als wahrer Orgasmusbeschleuniger galt, ist möglicherweise mit weiblicher* Ejakulation, auch Squirting genannt, verbunden. Vielleicht ist der G-Punkt aber auch die Stelle, an der die Seiten des Vorhofschwellkörper der Klitoris Kontakt mit der vorderen Vaginawand haben. Das würde darauf hindeuten, dass ein vaginaler Orgasmus doch mit der Klitoris zusammenhängen kann und warum manche Frauen* auch bei Penetration einen klitoralen Orgasmus erfahren können.

Soziale Stigmata

Weibliche Sexualität und Lust wurde viel zu lange stigmatisiert. Das ist mitunter ein Grund, warum viele Frauen ihre eigene Anatomie immer noch nicht gut genug kennen. Darüber hinaus werden auch heute noch Frauen* in manchen Ländern der Welt beschnitten, damit Geschlechtsverkehr allein zu einem Akt des Kinderzeugens wird – ohne dabei Lust zu empfinden. Nichtsdestotrotz reden wir mittlerweile schon viel offener über unsere sexuellen Bedürfnisse und sind viel empfänglicher für alles, was abseits der Heteronormativität stattfindet. Trotzdem zeigen die Arbeiten von Sophia Wallace, um nur ein Beispiel zu nennen, das viele Frauen zu wenig über ihre eigene Anatomie wissen und die Klitoris nur als kleines Knöpfen oberhalb der Scheide kennen. Hoffentlich konnten wir dir heute zeigen, was alles hinter deiner Klitoris steckt – im wahren Sinne des Wortes.

WISSENSWERTES

Klitoris und Penis

Wie dir bei der Anatomie vielleicht schon aufgefallen ist, gibt es sowohl im weiblichen* als auch männlichen* Körper eine Eichel und eine Vorhaut. Das kommt daher, dass beide Körperteile aus demselben Entwicklungsgewebe stammen. Erst in der achten Woche der embryonalen Entwicklung entscheidet das Y-Chromosom, dass sich anstelle einer Klitoris ein Penis bildet. 

Ist die Klitoris also ein kleiner Penis oder der Penis eine große Klitoris? Das überlassen wir deiner Einschätzung. Allerdings wäre es interessant zu wissen, was Sigmund Freud zu dieser Theorie zu sagen hätte. Somit könnten Frauen* nämlich gar keinen Penisneid empfinden. Sorry, Sigi. 

BUCHEMPFEHLUNG

Clit – Die spannende Geschichte der Klitoris (erscheint am Weltfrauentag 8. März 2022) 

Weitere Artikel zum Thema...

Yoni Yoga – die Lust liegt im Beckenboden!

Wir haben für dich eine etwa 20-minütige Praxis konzipiert, um deinen Beckenboden zu stärken, deine Hüfte achtsam zu öffnen und insbesondere, um dich mit deiner Yoni zu verbinden.

Porträt Sofia Surma Gründerin Viva la vulva

Interview Sofia Surma

Vereinsobfrau von Viva La Vulva und Gründerin des ersten Vulva Online Shops im Gespräch mit FemStories